Foto: Wolfgang Schmidt

Textil

Textile Fertigung neu denken

Maschinenbauer Metrom zeigt auf der 8. Mtex+ ultraschnelle 3D-Drucktechnologie für Individualisierung und Funktionsintegration bei textilen Produkten.

Erstaussteller auf der Mtex+ am 9./10. Juni 2020 ist die Metrom GmbH aus Hartmannsdorf bei Chemnitz. Das Unternehmen produziert multioptionale stationäre und mobile Bearbeitungsmaschinen, die bisher hauptsächlich im Maschinen- und Werkzeugbau, der Gießereibranche, der Energietechnik sowie in der Forschung zum Einsatz kommen. Mit der Präsentation auf der Kongressmesse für innovative textile Lösungen demonstriert der Maschinenbauer, dass es sich lohnt, klassische Vorgehensweisen aufzubrechen und textile Produkte sowie deren Fertigung neu zu denken. Metrom zeigt auf der „Fair & Convention for Hightech Textiles“, wie mittels zukunftsweisender Technologieanwendung textile Oberflächen funktionalisiert werden können. Das Unternehmen kombiniert dafür seine patentierte parallelkinematische Maschinenkonstruktion mit einer vom Fraunhofer IWU entwickelten Plastifizierungseinheit und ermöglicht das schnelle 3D-Bedrucken von Textilien. „Damit lassen sich beispielsweise Bekleidung oder Schuhe effizient personalisieren und auch mit zusätzlichen Funktionen ausstatten. Materialien, die bisher im 3D-Druck nur sehr schwierig bis gar nicht verwendbar waren, wie z. B. TPE und TPU als typisches weiches und flexibles Schuhmaterial, können dabei im SEAM-3D-Druckverfahren verarbeitet werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten bieten sich im Interieurbereich von Fahrzeugen an. Hier ist vor allem die Einsparung von Gewicht ein Treiber“, beschreibt Metrom-Vertriebsleiter Marcus Witt einige Anwendungsfelder des SEAM-Verfahrens (SEAM = Screw Extrusion Additive Manufacturing). Metrom stellt auf der Mtex+ das Verfahrensprinzip in einem Technologieträger sowie mittels SEAM gedruckte Produkte vor. Herzstück dieser Lösung ist eine Extrusionseinheit, die von einer 5-Achs-Parallelkinematik bewegt wird. Die Kombination des 3D-Drucksystems vom Fraunhofer IWU mit der Metrom-Werkzeugmaschine erlaubt bislang einzigartige Prozessgeschwindigkeiten. Außerdem können alle Werkstoffe, die sich plastifizieren lassen, damit verarbeitet werden. 

Video: Youtube / Metal Works TV

Heimvorteil und "belastbare Kontakte"

Die vielfältigen Möglichkeiten der 3D-Drucktechnologie für den Textilbereich stellen Fachleute von Metrom gemeinsam mit Forschungspartnern von Fraunhofer-Instituten aus Chemnitz und Dresden auch in kurzen Workshops vor. „Metrom unterstützt mit seinem Konzept von Schau, Wissensvermittlung und Dialogangeboten sozusagen punktgenau die Neuausrichtung der Mtex+, die noch stärker als bisher als branchenübergreifende Ideen- und Inspirationsquelle für Entwickler, Produzenten sowie Anwender von Hightech-Textilien unterschiedlichster Art fungiert“, betont André Rehn, Leiter Vertrieb Messen & Kongresse des Veranstalters C³ GmbH. Für Susanne Witt, geschäftsführende Gesellschafterin der Metrom GmbH, zieht nicht nur der Heimvorteil, sich in Chemnitz zu präsentieren. „Kleine, spezialisierte Veranstaltungen funktionieren oft besser als große, teure Messen, auf denen man als Aussteller ‚untergeht‘ und die Besucher übersättigt sind. Wir haben die Erfahrung gemacht, auf kleineren Schauen belastbarere Kontakte zu gewinnen.“ Die Fachbesucher können sich dabei auch über die Metrom-Produkte umfassender informieren. Deren parallelkinematische Maschinen, die bereits weltweit im Einsatz sind, gehören zu den innovativsten Konstruktionen im Maschinenbau. Sie wurden entwickelt, um herkömmliche Werkzeugmaschinen an Geschwindigkeit und Präzision zu übertreffen. Dabei bestehen sie aus wenigen kompakten Baugruppen und haben im Vergleich zu konventionellen Anlagen nur einen Bruchteil an Eigen- sowie bewegter Masse. Sie können sowohl für subtraktive (z. B. Fräsen, Drehen) als auch additive Bearbeitungen (z. B. 3D-Kunststoffdruck, Laserauftragschweißen) eingesetzt werden. Auch die additiv-subtraktive Verfahrenskombination in einer Aufspannung (z. B. Schweißen-Fräsen) wird bereits angeboten. 

Branchenübergreifendes Anwenderpotenzial

Der innovative Maschinenbauer ist nach Auskunft von André Rehn einer von mehr als 50 Ausstellern, die zur 8. Mtex+ im neuen Carlowitz Congresscenter inmitten der Chemnitzer City erwartet werden. Hauptthemen der Kongressmesse sind intelligente Produkte, Technologien und Dienstleistungen aus dem Bereich Technische Textilien mit branchenübergreifendem Anwendungspotenzial, u. a. für Mobilität, Gesundheit, Industrie und Bauwesen. Zu den Programm-Highlights gehören das von einer Sonderschau begleitete „Forum für TechTexile Nachhaltigkeit“, ein interdisziplinär besetzter Workshop des SmartTex-Netzwerks Thüringen, eine Speed-Science-Arena zum Thema Composites der in Sachsen agierenden Allianz Textiler Leichtbau, ein Erlebnisbereich Akustiktextilien sowie eine Projektwerkstatt zu innovativen Gesundheitstextilien. Außerdem fungiert die Mtex+ unweit der Grenze zu Tschechien und Polen als branchen- und länderübergreifendes Dialogforum für potenzielle Kooperationspartner in diesen sowie weiteren osteuropäischen Ländern.