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50 Jahre Aerotech

Mit ein paar Dollar aus Ungarn in die USA geflüchtet: Stephen J. Botos musste viele Hürden nehmen – eine Erfolgsgeschichte.

Bekannt als Systemlieferant hochpräziser Motion-Control- und Positioniersysteme, feiert Aerotech in diesem Jahr sein 50-jähriges Firmenjubiläum. Die Firmengeschichte ist geprägt durch Aerotech-Gründer Stephen J. Botos (82). Begonnen hat alles 1956 mit dem sogenannten Ungarnaufstand.
Der gelernte Werkzeugmacher war damals als 18-Jähriger Streikposten beim Freiheitskampf in der Volksrepublik Ungarn und versorgte die Aufständischen mit Lebensmitteln. Als der Aufstand mithilfe der russischen Armee niedergeschlagen wurde, musste Botos seine ungarische Heimat aus Angst um seine Sicherheit verlassen. In einer Nacht- und Nebelaktion versteckte er sich in einem Heuwagen und überquerte so unentdeckt die österreichische Grenze. Es sei leicht erkennbar gewesen, dass in Ungarn keine Hoffnung mehr bestünde, äußerte sich Botos später zu den Gründen für seine Flucht.

Vom Werkzeugbauer zum Konstrukteur von Positioniersystemen

Von Österreich gelangte der Werkzeugmacher dann über Umwege mit ein paar Dollar in der Tasche auf einem Schiff in die USA. Dort hatte er binnen weniger Monate sein amerikanisches Abitur in der Tasche, nachdem ihm sein ungarischer Schulabschluss ihm nicht anerkannt worden war. Seine berufliche Laufbahn startete Botos bei der Goerz Optical Co. in Pittsburgh zunächst als Konstrukteur. Goerz Optical fertigte seinerzeit in den USA optische Linsen und Systeme unter anderem für die NASA. So gehörten zu den Produkten, an denen er als Konstrukteur mitwirkte, Testgeräte für hochentwickelte Trägheitsleitsysteme in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Bereits hier entwickelte sich sein Gespür für hohe Präzision in der Fertigung. Berührungspunkte zur Medizintechnik gab es in den frühen Anfängen noch nicht, da das Hauptaugenmerk zunächst auf der Konstrukteurstätigkeit lag.

Maschinenbau-Studium am Abend

Da ihm jedoch wie schon beim Abitur auch seine früheren ungarischen Studienabschlüsse nicht anerkannt wurden, belegte Botos während seiner Konstrukteurstätigkeit auch noch Abendkurse im Maschinenbau an der Universität von Pittsburgh. Schon unmittelbar nach Abschluss seines Maschinenbaustudiums im Jahr 1969 tat er sich mit zwei seiner Ingenieurskollegen zusammen und gründete 1970 in einer Garage in Pittsburgh die Aerotech, Inc. Noch heute ist Botos stolz darauf, als erster Anbieter überhaupt Servotechnik mit geschlossenem Regelkreis für lineare Positioniersysteme eingesetzt zu haben. Damit konnte die Leistung gegenüber herkömmlichen Steppersystemen vervierfacht werden.

Weltweit 500 Beschäftigte

Bis heute hat sich Aerotech eine solide Nische im Bereich der hochpräzisen Bewegungssteuerung herausgearbeitet. „Wir sind mit unserer breiten Produktpalette spezialisiert auf die Bearbeitung im Nanometerbereich“, erklärt Norbert Ludwig, Geschäftsführer der Aerotech GmbH in Fürth. Inzwischen ist das Unternehmen auf weltweit rund 500 Beschäftigte angewachsen und hat dabei eine enorme Fertigungstiefe aufgebaut. Fast alle Komponenten vom Positionierungssystem über Interferometer und Antriebe bis zur Bewegungssteuerung und Software werden überwiegend selbst gefertigt. Und was dem Firmengründer mit ungarischen Wurzeln stets wichtig war, Aerotech ist immer noch ein familiengeführtes Unternehmen. Neben Sohn Mark Botos, der als President das Unternehmen leitet, ist auch der zweite Sohn Steve Botos im Unternehmen als Chief Officer Communication & Strategy tätig. Der Gründer selbst ist heute Gesellschafter von Aerotech.

Aerotech in Kürze

  • 1970 – Gründung in Pittsburgh, PA
  • 1973 - erstes Patent für Kurs- / Feinpositionierung
  • 1979 – Gründung der deutschen Aerotech GmbH in Nürnberg
  • 1995 – ISO 9001-Zertifizierung
  • 2017 –  Umzug der Aerotech GmbH von Nürnberg nach Fürth. Neubau mit modernster Technik ausgestattetem Messraum und Montagefläche für kundenspezifische Konfektionierung